Sigi Hrad-Rynda

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Geboren 1941 in Graz, Studierte an der Kunstgewerbeschule in Graz, an der Kunstakademie Wien, an der Sorbone in Paris, Studienaufenthalte in Rom sowie fünfeinhalb Jahre in Bolivien und Peru.

1973 Gründerin der 1. Grazer Malschule.

Ausstellungen in Österreich, Schweiz, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Bolivien und Peru
 
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Eine Königin und ihr Reich

Pragmatisierte  Spekulanten,  Hundefriseure  mit  Goldketterln,  Pleitiers  mit  triefendem
Blick, früher oder später wanken sie alle heran an Sigis Tisch und zeigen  die heimliche
Tätowierung, murmeln die Verwünschung, die über ihrem Leben liegt. Sigi zieht  sie alle
in  ihren  Bann, all die Zukurzgekommenen,  die Unbedarften, die Naiven, die Tragöden
mit  ihren  zerborstenen  Flügeln, alle  wärmen sich in ihrer Gegenwart, mit  ihren  hastig
vorgetragenen Niederlagen.

Ich liebe diese Füchsin Sigi, die Innereien ihres harten Atomkerns, der sich verbirgt
hinter der hundertjährigen Dornenhecke.

Sigi  ist  seit  gut  dreißig Jahren  öffentliche Person, hantiert durch die Öffentlichkeit
und  zwischendurch  auch  schon  halb  erstickt  darunter gewesen. Ich  habe  Sigi,  die
Künstlerin, schon geliebt als sie unter der Flagge Sigi  die Mutter  segelte.  „Vier Kinder
von  drei  verschiedenen  Männern“,  das stickte  sie auf  einen  Gürtel  wie  das tapfere
Schneiderlein  seine  Geschichte von Sieben  auf  einen Streich. Der Satz war nichts als
eine  falsche Spur, die sie legte, ein  Schwerthieb  gegen die Aufdringlichkeit. Sigi  war
immer  ein  braves  Mädchen, das  man  mit  einem  Gutenachtkuß  an der Haustüre  ab-
lieferte.           Als  Gründerin  der   ersten   Kindermalschule  in  Graz,   hatte  Sigi  den
Kindheitswunsch   Mutter  zu  werden  zum  Archetypus  hochstilisiert,  und,   um  der
Wahrheit  genüge zu tun, sie hatte, selbstverliebt in dieses Klischee, ihr Künstlerdasein
beiseite  geschoben.

Doch die  Vorsehung warf ihr Prügel in den Weg, dass sie endlich wieder hingetre-
ten  wurde auf  ihr Talent.  Ich  kenne keine andere Frau, die so viel über künstlerische
Geheimwissenschaften  weiß  wie  sie. Endlich zeigte sie  in den Bildern wieder diese
schwebende  Weisheit, die  uns  Menschen den  Tieren und  Pflanzen verwandt macht.
Das Wissen um diese geheimen Bindungen an die Fröhlichkeit der Götter, das suchen
wir, wenn  wir  uns zu  ihr  hingezogen  fühlen.


Erwin Michenthaler, Bildhauer